09.07.11

Goldenes Abitur - Ehemalige Stephaneer blicken halbes Jahrhundert zurück

Von: MZ / Daniel Havlitschek

Der heutige Abiturjahrgang überreichte den Ehemaligen eine gelbe Rose und eine Medaille. Foto: MZ / Frank Gehrmann

Erst eine Woche ist es her, da bekamen die ältesten Schüler des Stephaneums den Lohn für zwölf harte Lehrjahre überreicht: das Abitur. Vor ihnen liegt nun die ganze Welt mit Ausbildung, Studium, Familie und Karriere.

Und doch kehrten einige Vertreter der Abiturienten 2011 am Sonnabend noch einmal in die Aula ihrer Schule zurück, um einer ganz besonderen Abitur-Feier beizuwohnen. Nämlich von "Schülern", welche die weiteren Karriereschritte längst hinter sich haben. Der Abschlussjahrgang 1961 der damaligen Erweiterten Oberschule (EOS) "Thomas Müntzer" beging nach 50 Jahren sein goldenes Abitur. Federführend bei der Veranstaltung war Michael Herre, Vorsitzender im Verband ehemaliger Schüler des Stephaneums (V.e.St.): "2010 fand das erste goldene Abtiur mit dem Jahrgang 1960 statt, was ein breites, positives Echo nach sich zog. Aus diesem Grunde haben wir den Rahmen in diesem Jahr auf eine komplette Abitur-Feier erweitert und werden das Ganze nun zur Tradition erheben."

Bereits am Freitag trafen sich die einzelnen Klassen, die teilweise aus der gesamten Republik angereist waren, in der Stadt. Viele sahen sich zum ersten Mal seit dem echten Abitur wieder. Bis tief in die Nacht wurden Erinnerungen ausgetauscht. Einige der fast 70-Jährigen bereuten die lange Nacht am nächsten Morgen womöglich, denn bereits um zehn Uhr startete der Festakt in der Aula des Stephaneums. Dort versammelten sich zahlreiche bekannte Gesichter, die dieser Jahrgang hervorbrachte.

Doktoren und Professoren schmückten die Gästeliste. Hildegard Mierzwa beispielsweise leitete ihre Schule später jahrelang als Direktorin. Oder auch Werner Wrana, der vielen Schülern aus dem Sportunterricht noch gut bekannt sein dürfte. Die Festrede übernahm Lutz Götze, der auch zu Schulzeiten schon zur absoluten Spitze gehört haben dürfte. In seiner Ansprache mit dem Thema "Das Tor zur Welt - damals verschlossen, heute wieder offen" sprach er die schwierige politische Situation des Jahrgangs 1961 an. Das schicksalhafte Jahr des Mauerbaus, verbunden mit einigen Flucht-Unternehmen in letzter Sekunde, zerriss den Jahrgang schneller als erwartet. In seiner Rede prangerte er die Schuld beider deutscher Staaten in der Frage der Zusammenführung an und lobte die damaligen Lehrer dafür, dass sie sich nicht als Ideologen betätigten, sondern die Schüler auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiteten.

Erinnerungen an andere große Stephaneer wie Frank Thies flossen ebenso in Götzes Erinnerungen ein wie sein eigener Weg in den Westen über Afrika. Der Schule, seinem Jahrgang und dem Organisationsteam dankend, schloss er seine Rede mit der Aufforderung, die Schule nicht zum Ausbildungsapparat verkommen zu lassen.

Nach einem kurzen Show-Programm jetziger Schüler, folgte die Ehrung der Schüler, welche, wie bei einer Abitur-Feier üblich, klassenweise erfolgte. Jeder Teilnehmer des Jahrgangs 1961 bekam eine vergoldete Medaille und eine gelbe Rose vom jetzigen Abitur-Jahrgang überreicht. Die humorvolle Dankesrede der Ehemaligen hielt Wolfgang Hackel, der darauf verwies, dass das Leben aus vielen Umwegen besteht und dabei viele Parallelen zwischen den Abiturienten damals und heute erkennbar waren.

Das Schlusswort gebührte mit Klaus Winter einem Vertreter der heutigen Schulleitung, der auch in deren Namen die herzlichsten Glückwünsche überbrachte. "Die gesamte Veranstaltung ist wirklich gelungen. Es ist eine große Freude, alle nach so vielen Jahren wieder zu sehen", so Erika Ruth, die gleich ihren Geburtstag mit ihren ehemaligen Mitschülern feiern durfte. Cirka 55 Jahre jünger dürfte Lena Rudolf sein, die mit einem Klavierbeitrag zum Festakt beitrug: "Das goldene Abitur ist eine schöne Sache, ein Beispiel, was man aus seinem Leben machen kann."