Bericht

22.02.12

Kreisentscheid Vorlesewettbewerb 2012

Mit einem Abenteuerhelden den Sieg geholt

Gut gefüllt präsentiert sich der Lesesaal der Ascherslebener Bibliothek. In den ersten Reihen sitzen die Akteure des Nachmittags, weiter hinten die Angehörigen - Mütter, Väter, Omas und Opas sowie die Geschwister. Sie alle sind mitgekommen, um die Daumen zu drücken. Denn in wenigen Minuten beginnt hier der 53. Regionalausscheid im Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen, der traditionell jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchgeführt wird.

Die elf Schüler, alles Schulsieger aus den Sekundarschulen und Gymnasien des Salzlandkreises, halten aufgeregt ihre Bücher in den Händen. Noch müssen sie sich etwas gedulden, denn bevor der Vorlesewettkampf beginnt, zeigen junge Talente der Kreismusikschule ihr Können. Sie werden an diesem Nachmittag noch öfter zu hören sein. Auch dieser musikalische Part hat mittlerweile eine Tradition bei dem Wettbewerb, der seit 1992 in der Bibliothek durchgeführt wird. Tradition ist auch die Anzahl der Jurymitglieder. Und wiederum gibt es auch hier "Wiederholungstäter" bei der fünfköpfigen Jury. Nicht traditionell dagegen ist die Anzahl der Vorleser. "Wir hatten 15 Anmeldungen. Das sind so viele wie noch nie. Leider sind nur elf zum Wettbewerb erschienen", erzählt Bibliothekschefin Susanne van Treek. Doch diese die elf Mädchen und Jungen machen es der Jury nicht leicht. Vor allem die sechs Gymnasiasten beeindrucken durch ihre Vorträge. Zwischen drei und fünf Minuten muss gelesen werden und nur eine Vorleserin wird von der Jury in diesem Jahr wegen Zeitüberziehung unterbrochen. Die Bücher, die sie ausgewählt haben, sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Während es bei den Mädchen um erste Liebe, Freundschaft und Tiere, aber auch um Krimis geht, haben sich die drei Jungs auf Abenteuer spezialisiert. Die Bücher mussten die Vorleser übrigens für diesen Wettstreit neu auswählen. Nicht gestattet waren die Bücher, mit denen sie sich den Schulsieg gesichert haben. Trotzdem sind die meisten ihren Genres treugeblieben.

Wie zum Beispiel Thomas Pich vom Ascherslebener Gymnasium Stephaneum. "Den Schulsieg habe ich mit Harry Potter geholt. Gegen acht Leute habe ich mich durchgesetzt", erzählt der begeisterte Bücherleser. Heute hat er "Percy Jackson - Diebe im Olymp" mitgebracht. "Meine Mutter hat alle fünf Bände. Daran habe ich mich festgelesen. Ein Buch in zwei Tagen im Urlaub", verrät er lächelnd. Diese Begeisterung wollte er nun ebenfalls in seinem Vortrag verbreiten. "Die Konkurrenz war stark. Doch ich war auch nicht schlecht. Ich hoffe, es hat gereicht", wünscht er sich, während die Jury sich zur Beratung zurückgezogen hat.

Gewinnen möchte aber auch Mariya Abramova von der Ascherslebener Ganztagsschule "Albert Schweitzer". "In meinem Buch geht es um Freundschaft. Und so heißt es auch", zeigt sie auf den Titel: "Emma-Jean und das Geheimnis der Freundschaft". Das Buch sei leicht zu lesen und trotzdem spannend. 

"Genau deshalb möchte ich daraus vorlesen und es auch weiterempfehlen", so die Sekundarschülerin. In ihrer Freizeit lese sie sehr viel, so sei sie vielleicht deshalb so gar nicht aufgeregt. "Trotzdem, ich möchte gewinnen. Deshalb bin ich hier", gibt sie unumwunden zu. Letztlich reicht es bei bei ihr dann doch nicht für einen Sieg. Gewonnen für die Sekundarschulen hat Michelle Woitag aus Calbe mit ihrem Buch "Scherbenmond". Der Sieg für die Gymnasiasten ging an Thomas Pich. Trotz eines Punktabzuges von der Jury, die bemängelte, dass der Schüler leider die Einleitung nicht frei gesprochen, sondern mehr vom Papier abgelesen habe. "Das ist gegen die Vorschriften", macht Susanne van Treek deutlich. Trotzdem reiche es für einen Sieg. Wenn auch knapp.

"Das Niveau ist im Vergleich zum vergangenen Jahr gestiegen. Vor allem bei den Gymnasiasten. Ich fand, die Jugendlichen waren anspruchsvoller, was die Bücherauswahl anging", erklärt Christine Schreier, die seit langem in der Jury sitzt. Bewertet wurden übrigens Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis. Die beiden Sieger dürfen sich neben einem Buch als Sonderpreis und einer Urkunde natürlich über die Qualifikation für das Bezirksfinale freuen.

Die Konkurrenz war stark. Doch ich war auch nicht schlecht.

Tradition

Seit 1959 gibt es den Vorlesewettbewerb. Der traditionsreiche Vorlesewettbewerb wird seit 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchgeführt und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Öffentliche Aufmerksamkeit für das Kulturgut Buch zu erregen, Leselust zu wecken und die Lesekompetenz von Kindern zu stärken, sind dem Verband zentrale Anliegen.

Mehr als 700 000 Kinder aller Schularten beteiligen sich jährlich am Wettbewerb. Die Etappen führen über Stadt-, Kreis-, Bezirks- und Länderebene bis zum Bundesfinale im Juni 2012. Die über 600 Regionalwettbewerbe werden von Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und anderen kulturellen Einrichtungen organisiert.

Die erfolgreiche Leseförderungsaktion soll Kinder ermuntern, sich mit erzählender Literatur zu beschäftigen und aus ihren Lieblingsbüchern vorzulesen. Die eigenständige Buchauswahl und das Vorbereiten einer Textstelle sollen zur aktiven Auseinandersetzung mit der Lektüre motivieren, Einblicke in die Vielfalt der aktuellen und klassischen Kinder- und Jugendliteratur vermitteln und zum gegenseitigen Zuhören sensibilisieren. Beim Vorlesewettbewerb machen Kinder die Erfahrung, dass Bücher zwischen Spannung, Unterhaltung und Information viele Facetten bieten und neue Horizonte eröffnen.


Diese Seite ist hier zu Hause: http://www.stephaneum.de/index.php?id=58&tx_ttnews[tt_news]=352&cHash=659416600f2493ac8a8f21614aa34ddf